Burg-Gymnasium
Bad Bentheim

Projektbericht Frau Schute (Dunfermline)

 

School Development and Quality Evaluation & Enhancement in Primary and Secondary Schools in Scotland

 

Dunfermline, 29.10.2017 – 04.11.2017

 

Die Mobilitätsmaßnahme "School Development and Quality Evaluation & Enhancement in Primary and Secondary Schools in Scotland. 1 Week Course for Headteachers, Teachers, Inspectors & Other Educators" stellte einen Fortbildungskurs dar, der vom 29.10.2017 – 04.11.2017 in Dunfermline, Schottland stattfand. Gemeinsam mit neun weiteren europäischen Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Bulgarien (1x), Italien (4x), Lettland (1x), Polen (1x) und Rumänien (2x), hatte ich die Gelegenheit, sehr interessante Einblicke in das schottische Bildungssystem zu erhalten. Die Kursgestaltung des Anbieters International Study Programmes war, wie ich dies aus der Vergangenheit schon kannte, klar, informativ, sehr gut strukturiert und bot eine gelungene Mischung aus theoretischen Einheiten sowie konkreten Schulbesuchen. Auch das kulturelle Erleben und der interkulturelle Austausch kamen nicht zu kurz.

Die Eigenheiten des schottischen Schulsystems wurden uns in vier Seminaren anschaulich dargelegt. Eine Dozentin der Edinburgh University, zwei ehemalige Schulleiter und Vertreter des Verbandes SLS (School Leaders Scotland) sowie ein Vertreter der SQA (Scottish Qualifications Authority) sprachen über das unabhängige schottische Bildungssystem, über Lehrpläne, Formen der Leistungsmessung, über Inspektionen und Qualitätsentwicklung. Zu diesen Themen konnten wir bei dem Besuch der Kirkcaldy High School in Kirkcaldy sowie der Woodmill High School in Dunfermline im Gespräch mit den Schulleitungen, einzelnen Lehrkräften und Schülern die Einschätzungen aus der Praxis erhalten, die teilweise ein anderes Bild ergaben. Ein kurzer Blick in die schottische Bildungslandschaft soll hier gewährt werden:

Nach der Pre-school Education (Nursery und P1)für drei- und vierjährige Kinder erfolgt die sechsjährige Grundschulzeit (P2-P7). Der sich anschließende Besuch der Secondary Schools (S1-S6), die im staatlichen Bereich allesamt als Gesamtschulen (comprehensive schools) ausgerichtet und ganztägig (9.00 - 15.30 Uhr) organisiert sind, lässt sich in zwei Phasen aufteilen. Während es in den ersten drei Jahren (S1-S3) um breite Allgemeinbildung geht, können Schülerinnen und Schüler ab Klasse S4, also ungefähr mit 14-15 Jahren, bereits ihren eigenen Stundenplan mit selbstgewählten Fächern zusammenstellen. Die Fächer Englisch und Mathe gehören allerdings zum Pflichtprogramm und sind Teil der landeseinheitlichen Abschlussprüfungen am Ende von S4, die zum schottischen Bildungszertifikat (Scottish Certificate of Education Standard Grade) führen, das ungefähr dem Realschulabschluss entspricht. Ansonsten gibt es keine national verbindlichen Lehrpläne für die einzelnen Fächer, wie dies beispielsweise in England, Wales und Nordirland der Fall ist. Allerdings achtet die SQA (Scottish Qualifications Authority) in Zusammenarbeit mit den lokalen Schulbehörden auf die Einhaltung bestimmter Bildungsstandards.

Nach Erreichen des mittleren Bildungsabschlusses am Ende der S4 können Schülerinnen und Schüler ihre gewählten Schwerpunktfächer in der S5 und S6 als Highers und Advanced Highers weiterführen und am Ende nationale Prüfungen ablegen (externe Bewertungen), aber in dieser Senior Phase können auch Projektergebnisse aus dem Unterricht sowie kleine Forschungsprojekte in die Gesamtbewertung eingehen. Bei Aufnahme eines Studiums werden je nach Universität oder auch Fachgebiet strenge Zulassungsvoraussetzungen formuliert. Wer in Edinburgh History studieren möchte, braucht z.B. 4 Highers As + Bs, für Medizin werden nur Bestbewertungen, also 4 Highers at A-Grade zugelassen. Es war interessant zu erfahren, dass schottische Studierende keine Studiengebühren zu zahlen haben und europäische Studenten weniger Gebühren zahlen müssen als die Engländer, wenn sie an schottischen Unis studieren möchten. Hier bleibt auch die leidvolle Geschichte noch ganz lebendig.

Seit der Einführung des Curriculum for Excellence (CfE) an den Primary Schools 2004, an den Secondary Schools 2010 setzt Schottland verstärkt auf sehr individualisiertes Lernen. Neben der flexiblen Fächerwahl der Schülerinnen und Schüler in S4-S6 haben die Lehrkräfte bei der inhaltlichen Gestaltung des Unterrichts viel mehr Freiheit als hierzulande, auch bei der Wahl der Lehrwerke. Reguläre Zeugnisse, wie wir sie ausstellen, erhalten die Schülerinnen und Schüler nicht mehr, allerdings wird der Lernfortschritt laufend über standardisierte Leistungsüberprüfungen computerbasiert gesichert, womit Schülerinnen und Schüler im Alter von sechs bis acht Jahren erstmals konfrontiert werden (Level 1). Die Lehrer haben mit sehr heterogenen Schülergruppen zu tun und entscheiden, auf welchem Level jeder einzelne Schüler eine Leistungsüberprüfung am Computer durchführt. Das individuelle Lerntempo und die Fokussierung auf eigene Stärken stehen im Vordergrund und können im Extremfall dazu führen, dass ein Schüler in einem Fach bereits Level 3 oder gar 4 erreicht hat, in anderen Fächern noch Level 2 schaffen muss. Auch die sehr flexible Fächerwahl ab S 4, teilweise schon früher, ermöglicht bisweilen sehr eigenwillige Fächerkombinationen, die – so meine persönliche Einschätzung – zu Lasten einer fundierten Allgemeinbildung gehen, denn nicht selten werden z.B. Geschichte, Erdkunde oder moderne Fremdsprachen früh abgewählt, was dem Ziel der intendierten Allgemeinbildung zuwiderläuft. Für die Schotten ist das Thema „Closing the attainment gap" von zentraler Bedeutung, aber die Umsetzung bleibt schwierig. In der täglichen Arbeit, so ergaben Gespräche vor Ort, stellt das Prinzip der Binnendifferenzierung hohe Anforderungen an die Lehrerschaft dar. Mit Blick auf inklusive Klassen können Lehrkräfte jedoch auf sehr viel Beratungs- und Unterstützungspersonal zurückgreifen. Der gesamte inklusive Bereich ist bestens organisiert, wie wir an der Kirkcaldy High School feststellen konnten, wo von den knapp 1150 Schülerinnen und Schülern allein 370 besondere Unterstützung brauchen. Schließlich besuchen fast alle Kinder eines Schulbezirks die eine Schule. Ungefähr 95,4% aller Schulen in Schottland sind staatliche Gesamtschulen, während es einzelne konfessionell gebundene Schulen sowie eine kleine Anzahl an äußerst elitären Privatschulen gibt, an denen der Zulauf über extrem hohe Schulgebühren bis zu 45.000€ pro Jahr (z.B. Fettes College in Edinburgh) reguliert wird.

Der knapp einwöchige Aufenthalt in der geschichtsträchtigen Stadt Dunfermline, die im Mittelalter einmal den Königssitz und somit die Hauptstadt darstellte, war wirklich interessant. Bei der geführten Tour durch den Ort waren wir sehr beeindruckt von der mächtigen Dunfermline Abbey, aber auch vom Wirken des amerikanischen Stahltycoons Andrew Carnegie, dem wohl berühmtesten Sohn der Stadt, der seiner von Arbeitslosigkeit und Rezession gebeutelten Heimatstadt den riesigen Pittencrieff Park sowie eine sehr moderne Bibliothek gestiftet hat. In einem weiteren Seminar erfuhren wir einiges über schottische Geschichte und über Traditionen, von denen wir uns bei einem gemeinsamen Abend im Dunfermline Folk Club bei Livemusik und eigenen musikalischen Beiträgen einen Eindruck verschaffen konnten. Abgerundet wurde das Programm durch einen Besuch des schottischen Parlamentes in Edinburgh. Die geführte Tour durch das sehr moderne Parlamentsgebäude vermittelte Einblicke in das politische Schottland, das maßgeblich durch die europäisch ausgerichtete, nach Unabhängigkeit strebende, linksnationale SNP (Scottish Nationalist Party) geprägt wird. Ein Besuch im National Museum und ein kleiner Stadtbummel zum Ende hin stellten einen gelungenen Abschluss einer sehr erkenntnisreichen Fortbildungswoche dar.

Johanna Schute

Termine

10.01.2020 - 18.01.2020
Skikurs Jgst. 11
22.01.2020, 14:30 Uhr
Zeugniskonferenzen Jgst. 7, 8 und 9

Ort: Raum 25

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