Burg-Gymnasium
Bad Bentheim

Abiturentlassungsfeier – oder: Warnung vor dem Pudel!

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63 Schülerinnen und Schüler erhielten am Samstag, den 29. Juni 2019, ihr Abiturzeugnis bei einer Feier im Forum des Burg-Gymnasiums.

Die Abiturienten entlehnten ihr Motto aus der Jugendliteratur, nämlich aus der Fantasywelt des Zaubererjünglings Harry Potter, und verfremdeten den populären Helden zum schulischen Antihelden: „Abi Potter – 12 Jahre durchgemuggelt“, was nur so viel heißen konnte wie: zwölf Jahre Schulzeit ahnungslos durchgemogelt und doch das Abiturzeugnis in der Hand.

Schulleiterin Johanna Schute setzte einen Kontrapunkt zur wunderlichen Welt juveniler Popliteratur. Sie griff ein Zitat aus dem Alten Testament – ebenfalls reich an wundersamen Erzählungen – heraus: „Alles hat seine Zeit“, womit die vielfältigen Lebens- und Gemütslagen des Menschen in der göttlichen Ordnung verortet würden. Neben allgemeineren Überlegungen zum Phänomen Zeit erinnerte die Direktorin auch daran, dass diese Jahrgangsstufe die letzte war, die das Abitur nach zwölf Jahren Schulzeit zu absolvieren hatte, also nach acht Jahren auf dem Gymnasium. Sie begrüßte, dass nun der G8-Versuch beendet sei, „entgegen aller Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie, Bildungsprozesse beschleunigen zu wollen“ und Zeit nur auf wirtschaftliche Verwertbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit hin zu betrachten. Mit der Rückkehr zur neunjährigen Gymnasialzeit werde die Persönlichkeitsbildung zum selbst denkenden Menschen gestärkt, die mehr sei als instrumentelle Ausbildung. Ihre Rede schloss die Schulleiterin mit Elli Michlers offenkundigem Gedicht „Ich wünsche dir Zeit“.

Helena Hoon, die stellvertretende Landrätin, nahm verschiedene Harry-Potter-Motive auf, lobte das Erreichte und empfahl, in diesem „zauberhaften Moment“ des bestandenen Abiturs zufrieden zu sein. Sie unterstrich, dass der Landkreis Grafschaft Bentheim auch etwas tue für die Erfolge der Schülerinnen und Schüler des Burg-Gymnasiums: Für den Neubau der Sporthalle, für die Schulhofgestaltung, für die Sanierung der Außensportanlage wende man über vier Millionen Euro auf. Und sie versprach, dass es so weitergehen werde.

Die längste Rede hielt Kirsten Sicking, Lehrerin für Deutsch, katholische Religion, Musik und Darstellendes Spiel. Sie forderte die ehemaligen Schülerinnen und Schüler auf, sich gesellschaftlich zu engagieren, und verknüpfte ihren Appell mit dem in Unterricht behandelten Theaterstück Goethes – Faust. Ihren Anspruch, das Werk in fünf Minuten abzuhandeln, löste die Rednerin nicht ein, doch ihr längerer Schnelldurchgang durch das Stück Weltliteratur geriet sehr kurzweilig. Sie empfahl den Abiturienten, tätig und tüchtig zu sein, zu streben und zu irren – aber unbedingt zu streben. Und sie warnte: „Traue keinem Pudel!“, also keinem Mephisto, keinem Teufel, keinem Lord Voldemort, keinem Freddy Krüger und keinem anderen Finsterling der Kulturgeschichte. Bei der Warnung vor den dunklen Pudeln nahm sich Sicking selbst nicht aus und fasste sich durch ihr lockiges Haar. Die Lehrerin zog aber auch Lehren aus der „Walpurgisnacht“, sie riet den Absolventen zu Feier und Genuss. Und nach vielen guten Wünschen schritt Sicking zur musikalischen Tat, gleichsam als Befolgung des faustschen Postulats: „Im Anfang war die Tat!“. Sie brachte zusammen mit ihren Kollegen Jannik Schulte, Stephan Klein, Hartmut Meyer und Dr. Thomas Füser den „Ärzte“-Song „Deine Schuld“ zu Gehör: „Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist; es wär’ nur deine Schuld, wenn sie so bleibt!“ Das war zum Abschied der pädagogische Zeigefinger in fetziger Rock-Fassung.

Für die Abiturientia sprach Jakob Rautland. Er zählte einige Themen des zurückliegenden Unterrichts auf und lobte deren Praxistauglichkeit beziehungsweise kritisierte deren Lebensferne. Er ironisierte Textaufgaben im Fach Mathematik, die den Kauf Hunderter Wassermelonen im Supermarkt beträfen – also über der haushaltsüblichen Menge liegen. Er machte sich über die Analyse eines Kurt-Schwitters-Gedichts im Deutschunterricht lustig, offenkundig schien ihm dabei der angesprochene Dadaismus ziemlich gaga. Und er schnitt die Synonymfindung an, griff das Verb „betrinken“ in etlichen gleichbedeutenden Varianten auf und bezog es programmatisch auf den Abiball des Abends. An der Schule habe er aber Antworten vermisst auf Fragen wie: Welche Versicherungen brauche ich eigentlich im Leben?

Harald Knöpker sprach für die Eltern. Er zeigte sich als stolzer Vater, warnte die Abiturienten aber davor, zu glauben, schon die gesamte Weisheit des Lebens inhaliert zu haben. Sie hätten etwa selbst erfahren müssen, dass man nicht alles auf den letzten Drücker erledigen könne – ein Beispiel sei das noch nicht fertige Abi-Buch. Er warnte außerdem davor, Selbstorganisation zu unter- und digitale Medien zu überschätzen: „WhatsApp fährt niemanden zur Schule, Instagram wäscht keine Wäsche und Facebook deckt nicht den Frühstückstisch“, womit er an die tägliche Hilfe der Eltern für ihre Kinder erinnerte. Zugleich wollte er Altkluges vermeiden. Er riet den jungen Erwachsenen, nicht dieselben Fehler zu begehen wie deren Eltern. Anscheinend widersprüchlich, aber rhetorisch geschickt forderte er von ihnen, sie mögen ihren späteren Kindern gegenüber nie den Spruch benutzen, der sie selbst gestört habe: „Ihr lernt nicht für die Schute, ihr lernt nicht für die Schule, sondern fürs Leben.“

Anschließend überreichte Schulleiterin Schute die 63 Abiturzeugnisse, die im Durchschnitt mit der Note 2,54 versehen waren. Preise gab es für die Abiturientinnen und Abiturienten, die die Note eins vor dem Komma tragen. Außerdem gab es Auszeichnungen für besondere Leistungen in den Fächern Physik, Chemie, Mathematik und Politik. Vor dem Sektempfang schloss Judith Gervens die Feier mit ihrem Gesang, die sie schon souverän eröffnet hatte.

 

Kirsten Sickings energisch vorgetragene Warnung vor dem Pudel

„Der Pudel ist also nichts anderes als Mephisto, der Teufel,
braut wie Severus Snape ganz üble Zaubertränke, fieses Geträufel,
man nennt ihn Beelzebub, Höllenfürst oder auch das Böse,
Herr der Finsternis, Luzifer, tritt auf mit Getöse,
Sensenmann, Sinnerman, oder einfach Satan,
schlimmer noch als Thanos, Lord Voldemort,
konkret krasses Gegenteil von Nathan,
Antichrist, Tod in Rot oder Freddy Krüger, nur klüger,
so voll Nightmare, Scream, Alien oder It,
in den Methoden des Grauens und in Folter voll fit,
Scary Teacher, Dementor, Herodes des Todes,
Engel des Schreckens, aller Übel und Master der Dämonen
und auch aller Hexen, die in der Hölle wohnen oder thronen.
Er wird weder Faust noch jedermann jemals verschonen.
Er ist gruselig, gefährlich, ganz sicher psychedelisch,
hinterhältig oder einfach mephistophelisch.
Er will klammheimlich und verstohlen Deine Seele holen.
Keiner bleibt verschont, entkommt ihm ungeschoren,
drum hüte Dich, wenn er in Dich kriecht, denn dann bist Du verloren! 
 
Entschuldigung, ich habe mich wohl etwas hinreißen lassen. 
Goethes Mephisto ist eigentlich eher der intellektuelle Typ.“
 

 

Abiturientinnen und Abiturienten des Burg-Gymnasiums 2019

Rand Ahmad, Can Aktas, Firat Arslan, Nils Benjack, Isabel Boerscheper, Enes Bolat, Leon Brüning, Marie Christin Criegee, Jannis de Vries, Annika Diekel (1,2), Maike Diekel (1,5), Phillip Diekel, Achilleas Dimitriadis, Ann-Katrin Eden, Vinnie Fokkens (1,4), Hanna Frermann, Jonas Germer, Aron Groothus (1,7), Paula Groothus, Jorine Hambeck (1,9), Esther Hanemaaijer, Lennart Herwing (1,8), Inken Hess, Ann-Kristin Hinze (1,4), Simge Ince, Elena Kaspers, Hauke Knöpker, Anna Kues (1,4), Maren Lankhorst, Luca Leipacher, Jona Lindemann, Jannik Lindner, Alina Linker, Alexander Mülder (1,7), Arne Nibbrig, Malte Niehaus, Alexander Nikitin, Sina Oeding-Erdel (1,9), Marah Palthe, Marc Peterberns, Helge Pollmann, Carolin Porepp, Sophie Preisel, Charlotte Pünt (1,4), Jakob Rautland (1,4), Malte Reckzügel, Moussa Said, Florian Scheele, Hanna Schmidt, Felix Schultjan, Robin Schwendrat, Malte Thölking, Mika Turck, Janes Verwold, Lara Völlmecke, Louisa Vos, Nick Weber, Jannis Welp, Nele Wichert, Celine Wiebe, Felix Woltmann (1,5), Jessika Wunder, Pauline Wunsch (1,4) 

 

Die „Grafschafter Nachrichten“ übernahmen den Text mit kleinen Änderungen (siehe hier). 

Text: HUM
Bilder: HUM

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