Burg-Gymnasium
Bad Bentheim

Hanim Orucov für Deutsche Schülerakademie ausgewählt

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In den ersten zweieinhalb Wochen der Sommerferien 2022 (vom 14.07.–30.07.) hatte ich die große Ehre, an der Deutschen Schülerakademie (DSA) teilnehmen zu dürfen. Nachdem meine Tutorin, Frau Dr. Greiwe-Strehle, mich auf die DSA aufmerksam gemacht hatte, beschloss ich, mich auf diese Gelegenheit einzulassen und zuzusagen. Daraufhin übermittelte Frau Greiwe mein Motivationsschreiben/Gutachten an die Akademie.

Bevor man jedoch eine Zusage oder Absage bekommt, muss man seine Kurswahl über einen persönlichen Zugangscode abschicken. Zur Auswahl standen sehr vielfältige Kurse, die zahlreiche Themenfelder aufgriffen. Unter https://www.schuelerakademien.de/programm/dsa/ findet man das ausführliche Programm. Dort erhält man neben den Kursbeschreibungen auch Informationen dazu, wann und wo (d.h. z.B. Akademieort oder digital) die Kurse stattfinden. Je nachdem, welche Kurse man auswählt, entscheidet man somit selbst über den Ort sowie Zeitraum einer möglichen Teilnahme. Neben meinem Favoriten „Mikroskopie – Leben mit Licht erforschen“, dem Erstwunsch, durfte ich bis zu vier weitere Kurse auswählen, die als Alternativen in Frage kamen. Nach anderthalb Monaten wird dann verkündet, ob man eine Zu- oder Absage erhalten hat.

Erfreulicherweise erhielt ich eine Zusage für den Kurs „Wer braucht eine gute Übersetzung?“, der dieses Jahr im Denkhaus Loccum vom 14.07. bis zum 30.07.22 stattfand. Der Leiter dieses Kurses war der Leiter des Studiengangs Übersetzung in Bristol und wurde als Übersetzer sowie Autor mehrfach ausgezeichnet. Der zweite Leiter konnte dieses Jahr kurzfristig leider doch nicht teilnehmen. Mit der Zusage erhielt ich auch die ersten Unterlagen, die ich bis zum Akademiebeginn lesen und den dazu aufgestellten Arbeitsauftrag bearbeiten sollte. Bei den Unterlagen handelte es sich um einen Reader (PDF-Datei, 108 Seiten, größtenteils auf Englisch) über Übersetzungswissenschaften, den der Leiter auch an der Uni mit seinen Studenten bearbeitet.

Aufgabe bis zum Akademiebeginn war es, sich einen beliebigen Text aus dem Reader vorzunehmen und eine schriftliche Rückmeldung zu verfassen. Mich persönlich interessierte ein Text, bei dem ich Parallelen zur Unterrichtseinheit „Lyrik“ des Deutsch-LKs ziehen konnte: 

„Beim ,linguistischen Paradigma‘ (vergleichbar mit der Aufklärung) gehe es um das Übersetzen als mechanische Rekodierung (Anwendung einer festen Regel). Der oberste Grundsatz definiert sich als Äquivalenztheorem, welches besagt, dass jedem Satz einer Sprache ein äquivalenter Satz einer anderen Sprache zugeordnet werden könne. Das hieße, dass eine Rückübersetzung des Zieltextes in seine Ausgangssprache wieder zum exakt gleichen Ausgangstext führen müsse. Beim ,handlungstheoretischen Übersetzen‘ hingegen (vergleichbar mit der Frühromantik) werde die Übersetzung als eigenverantwortliche Schöpfung aufgefasst. Es sei eine kreative Konstruktion. Durch eigenes Nachdenken/Philosophieren/Übersetzen gelange man zur Erkenntnis des bisher Unbekannten. Der Zweck (Skopos) diene dabei als Finalidee. Somit sei der Übersetzer in zweifacher Hinsicht kreativ beziehungsweise mental gefordert: Als Leser des Ausgangstextes sei er Rezipient, der den Text interpretieren müsse, und als Produzent des Zieltextes müsse er durch eigenständiges Nachdenken übersetzen.“

(Auszug aus meiner schriftlichen Rückmeldung)

Als die Akademie schließlich unter einem strengen Hygienekonzept begann, befassten wir uns gemeinsam täglich intensiv mit dem Inhalt des Readers. Jeden Tag sollte ein Teilnehmer bzw. eine Teilnehmerin Protokoll führen. Ich war direkt am ersten Tag dran und führte Protokoll über den Ablauf sowie Ergebnisse des Tages.

Protokoll 14.07.22:
„Am ersten Tag lasen wir deutschsprachige Texte, die wir als „Original“ oder „Übersetzung“ einordnen sollten. Bei den fünf Texten handelte es sich um einen neuen Kohäsionsbericht der Europäischen Kommission, Georg Kulkas Gedicht „Der Sohn“, einen medizinischen Artikel über interdisziplinäre Diagnostik bei seltenen Erkrankungen, Salomés Text „Das Haus“ sowie ein Kochrezept für die Zubereitung von gebranntem Reis. Mit dieser Übung wollten wir herausfinden, welche Aspekte eines Textes bzw. welche Argumente für uns bei der Festlegung entscheidend waren. Wir formulierten unsere Argumente auf Post-Its, die wir links (Übersetzung) oder rechts (Original) des vorliegenden Textes aufklebten. Weiterhin haben wir die Texte mit roten (Original) beziehungsweise gelben (Übersetzung) Stickern versehen. Argumente, die unserer Einschätzung nach dafür sprachen, dass es sich bei einem Text um eine Übersetzung handelt, berücksichtigten größtenteils vermeintliche Unregelmäßigkeiten des Satzbaus sowie Rechtschreib- und Grammatikfehler, im Deutschen seltene Begriffe oder Ausdrücke, die aus anderen Sprachen herkommen müssen oder uns fremd waren, z.B. die Formulierung „Salz nach Geschmack“ oder „geröstetes Sesamöl“ auf einer Zutatenliste.

Die Teilnehmenden waren sich dagegen bei Texten, die keine Fehler enthielten, viel im deutschsprachigen Raum verbreitetes Wissen aufgriffen oder so klangen, wie es im Deutschen üblich ist, sicher, dass es sich um ein Original handelt. Die idiomatische Formulierung dieser Texte wirkte auf die Teilnehmenden sehr „deutsch“. Wir nahmen also ganz offensichtlich an, dass Muttersprachler keine Fehler machen und elegant und idiomatisch formulieren, während Übersetzer zwar versuchen mögen, keine Fehler zu machen, sie aber letztlich doch immer machen. Diese Annahme beeinflusste den weiteren Kursverlauf, indem wir uns fragten, wie wir übersetzen können, ohne dass dem Leser auffällt, dass es sich bei dem vorliegenden Text um ein Translat handelt. Diese Überlegung leitete zur nächsten Übung, verschiedene Texte sowohl nah als auch fern zu übersetzen, über.“

Jeden Tag fanden zwei Plena statt, bei denen der Tagesablauf vorgestellt wurde, wichtige Fragen geklärt werden konnten etc. Gestartet wurde das Plenum mit dem Song „The Final Countdown“ von Europe. Wer nach Ende des Songausschnitts den Saal betrat, musste am nächsten Tag ein Gedicht über ein im Plenum gemeinsam ausgewähltes Thema vortragen. Beendet wurde das Plenum mit „Waterloo“ von ABBA.

Abgesehen vom Unterricht, waren die sogenannten küAs (kursübergreifenden Angebote) sehr prägend für die Akademie-Zeit. Jeder konnte eine Freizeitgestaltung, in der er/sie begabt bzw. talentiert ist (z.B. Sportart, Instrument, Sprachkurse, Backen etc.), anbieten. Zusammen mit einer weiteren Teilnehmerin bot ich Volleyball an. An einem anderen Tag bot ich auch einen Sprachkurs (Aserbaidschanisch) für Anfänger an. Es hat immer eine immense Freude bereitet, nach dem Unterricht küAs zu besuchen und selbst anzubieten! Auch im nächsten Jahr ist mit allen Teilnehmenden ein privates Nachtreffen geplant, bei dem wir unter anderem die küAs wieder ins Leben rufen und uns alle wiedersehen wollen.

In den darauffolgenden Tagen unterschied sich das Programm nicht erheblich, mit der Ausnahme, dass eine Exkursion in die Umgebung sowie eine Abschlussfeier am letzten Tag stattfanden. In der letzten Nacht wurde nicht geschlafen, alle trauerten zutiefst über das anstehende Ende der Akademie, waren aber auch für diese einmalige Erfahrung und die neuen Kontakte überglücklich. Insbesondere die letzte Nacht wird mir in Erinnerung bleiben, in der wir unter dem Sternenhimmel die letzten gemeinsamen Stunden genossen, einander Abschiedsbriefe verfassten und die meisten einfach nur noch weinten. Es ist bemerkenswert, wie sehr neue Menschen einem in so kurzer Zeit ans Herz wachsen können. Man findet dort Freunde fürs Leben.

Vor allem jungen Menschen wurden in der Zeit der Pandemie potenzielle Erfahrungen und Möglichkeiten genommen, weshalb es für mich wichtig war, die DSA nicht nur als Ort der Wissensvermittlung, sondern auch als Ort der Persönlichkeitsentwicklung und Charakterstärkung außerhalb des Rahmens von Schule und Familie wahrzunehmen. Ich konnte dort Gleichgesinnte zum gegenseitigen Austausch von Motivation, Erfahrung und Wissen kennenlernen. Deshalb empfehle ich meinen Mitschülern eine Teilnahme an der Deutschen Schülerakademie auf jeden Fall weiter! Interessierte können sich entweder selbst bewerben oder werden von der Schule vorgeschlagen. Voraussetzungen sind eine hohe Leistungsfähigkeit, Motivation, Offenheit für Neues und breitgefächerte Interessen. Zudem sollte man Schüler oder Schülerin der 11. oder 12. Jahrgangsstufe (G9) sein.

Wenn ich meine Zeit bei der Akademie zusammenfassen möchte, kann ich sagen, dass die Teilnahme an der DSA außergewöhnlich schön und sehr prägend war, aber es wäre auch wichtig zu erwähnen, dass die Kurse auf Universitätsniveau waren und teilweise über den Stoff des ersten oder zweiten Semesters hinausgingen, sodass ich manchmal an meine Grenzen gebracht wurde.

Abschließend möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bei Frau Dr. Greiwe-Strehle für diese einzigartige Erfahrung bedanken, da ich ohne sie wahrscheinlich nicht auf die Deutsche Schülerakademie aufmerksam geworden wäre und somit diese einmalige Chance verpasst hätte. Auch möchte ich mich beim Schulverein bedanken, der mich bei der Teilnahme an der DSA finanziell unterstützt hat.

Text: Hanim Orucov, Jgst. 13
Bilder: Hanim Orucov

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