Burg-Gymnasium
Bad Bentheim

BGBlog: „Die Welle“ – Aufführung

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Am 22.6. und 23.6.2023 wurde an unserer Schule „Die Welle“ aufgeführt. Melanie Mack, 8a, unterzieht die Aufführung einer Kritik, sie liefert Hintergrundinformationen und beleuchtet die Inszenierung genauer. Zudem interviewt sie drei Beteiligte. 

Kritik

In einem mitreißenden Theaterstück haben Schülerinnen und Schüler des Darstellenden-Spiel-Kurses der Jahrgangsstufe 11 des Burg-Gymnasiums Bad Bentheim unter der Leitung von Kirsten Sicking vergangene Woche unter dem Motto „Menschenrechte statt rechte Menschen“ gezeigt, wie schnell faschistische Bewegungen entstehen können und wie gefährlich sie sind. Die Vorführung beruhte auf der Bühnenfassung von Ronald Tritt wie auch der deutschen Verfilmung des Schulklassiker-Romans „Die Welle“ von Morton Rhue.

Vorweg: Ich fand das Stück großartig. Es wurde auf fantastische Weise durch die überzeugenden Darsteller, denen man ihre enorme Spielfreude und Motivation anmerken konnte, rübergebracht. Dadurch, dass das Publikum mit eingebunden war, etwa indem Flyer verteilt wurden, wurde es trotz der anderthalb Stunden Spielzeit nicht langweilig. Da die Szenen immer kürzer wurden, kam viel Spannung auf, die durch die ausgefeilte Bühnentechnik, dramatische Musik und eine eindrucksvolle Tanzchoreographie noch verstärkt wurde.

Auf den Plakaten wurde bereits darum gebeten, ein weißes Oberteil anzuziehen, fast alle Zuschauer hatten dies auch getan und es war, als würden wir dazugehören und als wären wir ein Teil des Stücks. Das war einerseits einfach unbeschreiblich, alle gehörten irgendwie zusammen, und obwohl ich die wenigsten kannte, war ein gewisses Gruppengefühl da. Es hat mich irgendwie schon fasziniert, wie schnell und einfach so ein Gefühl erreicht werden kann. Andererseits war es so, als hätte man sich zu schnell selbst mitreißen lassen, als gehörte man auf einmal selbst zu den Faschisten.

Da ich das Stück bereits vorher kannte, habe ich lange überlegt, ob ich überhaupt etwas Weißes anziehe, habe mich schlussendlich jedoch dafür entschieden, da es kein Befehl war, ein weißes Kleidungsstück zu tragen, sondern eine Bitte. Ich bin mir aber sicher, dass ich nicht überlegt hätte, hätte ich nichts von dem Verlauf der Geschichte gewusst. Nicht nur durch das Stück, sondern auch durch meine Entscheidung ist mir klar geworden, wie schnell sich eine rechte Bewegung in der Gesellschaft auch heute noch entwickeln kann. Ich bin der Meinung, dass die meisten Menschen, eingeschlossen ich selbst, die Gefahren einer solchen Bewegung erst zu spät oder gar nicht bemerken würden oder dass der Gruppenzwang sie dazu treibt mitzumachen.

Besonders das Ende der Aufführung werde ich nie vergessen. Die ganzen Bilder, stumme Beweise des Faschismus, waren unglaublich und haben das gesamte Publikum tief berührt. Jeder, der das Stück nicht gesehen hat, hat etwas verpasst!

 

Hintergrund und Inszenierung

In Morton Rhues Roman geht es um ein Experiment, welches tatsächlich stattgefunden hat: An einer Schule im amerikanischen Palo Alto stellte ein Schüler die Frage, wie es denn möglich sei, dass die Deutschen behaupteten, nichts von der Judenvernichtung gewusst zu haben. Diese Frage beschäftigte den Lehrer daraufhin sehr. Er beschloss schließlich, die Schülerinnen und Schülern Faschismus hautnah erleben zu lassen. Er begann, die Klasse zu kommandieren, anstatt Unterricht abzuhalten. Jeder machte mit, niemand bemerkte, was eigentlich vor sich ging. Auch als der Lehrer als Namen der Bewegung „Third Wave“ vorschlug, fiel keinem die begriffliche Nähe zum Dritten Reich auf. Rasch lief das Experiment aus dem Ruder. Der Geschichtskurs, in dem die „Third Wave“ gegründet wurde, wuchs auf eine enorme Anzahl von Schülerinnen und Schülern an. Auch über die Grenzen des Kurses hinaus begrüßte man sich mit einer besonderen Begrüßung, bei der man den Arm in einer Art bewegte, die die Form einer Welle beschrieb. Die besten Freunde wurden verpetzt, wer nicht mitmachen wollte, wurde verprügelt. Das Experiment lief nur fünf Tage, doch das war schon zu viel. Der Lehrer brach das Experiment ab. Als den Mitgliedern der Bewegung auffiel, zu was sie sich hatten mitreißen lassen, schämten sie sich. Niemand sprach gerne über das, was passiert war.

In dem Theaterstück verlief die Handlung etwas anders: An einer Schule in Deutschland findet eine Projektwoche zum Thema „Staatsformen“ statt. Lehrer Rainer Wenger (Yanina Kohla) hätte den Schülern gerne etwas über Autokratie beigebracht. In einem Gespräch mit der Schulleiterin Frau Dr. Kohlhage (Carolin Wermeling) erfährt er, dass dieses Thema ausgerechnet der Lehrerin zugefallen ist, die er am wenigsten leiden kann: Frau Wieland (Naike Heemann) ist ihm zuvorgekommen. Nun muss ausgerechnet er, ein ehemaliger Hausbesetzer in Berlin-Kreuzberg, den Schülern Autokratie beibringen.

In der nächsten Szene sieht man, wie eine Schülerin, Tina (Lara-Marie Rudnik), zuhause das Auto ihres Vaters waschen muss, um sich ein neues Handy zu verdienen. Als sie sich zu ihren Eltern an den Tisch setzt und fragt, ob sie jetzt genug getan hätte, meint ihr Vater nur, sie könne ruhig weiter jede Woche sein Auto putzen. Als Tina dann fragt, ob sie sich am Abend noch mit Freunden treffen dürfe, entbrennt ein Streit, in dem man erfährt, dass Tina nicht die besten Familienverhältnisse hat. Ihre Eltern sind enttäuscht von ihr, da sie nicht so gute schulische Leistungen erbringt wie ihr Bruder, der überall Klassenbester war, jedoch seit einiger Zeit tot ist. Es kommt auch heraus, dass das Mädchen zu Hause des Öfteren geschlagen wird. Schließlich erlaubt ihre Mutter ihr doch noch, sich mit ihren Freunden zu treffen. Als Tina in der Disco eintrifft, wird sie dort schon erwartet. Das Handy, welches sie sich mühsam erarbeitet hat, diente nur zur Bezahlung, um in eine Clique aufgenommen zu werden.

Am nächsten Morgen wird Rainer Wenger, der ein sehr gutes Verhältnis zu seinen Schülern hat und im Unterricht von ihnen geduzt wird, von seinem Kurs begrüßt. Zum Unterrichtsbeginn stellt er den Schülern die Frage, was Autokratie denn sei. Das seien Autorennen in Kratern, vermutet Klassenclown Ferdi (Henri Wunderlich). Lisa (Angelina Raaz), eine eher schüchterne Schülerin, vermutet, unter Autokratie verstünde man eine Diktatur. Ihre Freundin und Klassenbeste Karo (Louisa Prondzinski) weiß, dass in einer Autokratie ein Einzelner oder eine Gruppe über die Masse herrschen, und dass Autokraten genug Macht haben, um Gesetze nach ihrem Belieben zu verändern. Das einzige Beispiel, das der Klasse dafür einfällt, ist Nazi-Deutschland. Als der Lehrer mit diesem Thema fortfährt, stöhnt die Klasse genervt auf. Sie sind der Meinung, dass sie sich schon oft genug angehört hätten, dass Nazi-Deutschland schlecht gewesen sei und sie das auch verstanden hätten. Außerdem könne eine Autokratie in Deutschland nicht mehr vorkommen. Daraufhin folgt eine Diskussion zwischen Mona (Fiona Wagner/Lina Schoen) und dem Rest der Klasse. Mona ist sich als Einzige sicher, dass eine Autokratie immer wieder entstehen könne. Herr Wenger beschließt und verkündet daraufhin, sie würden einen praktischen Versuch starten, und schon bald wählen die Schüler ihn als ihren Führer. Er führt neue, deutlich strengere Regeln ein.

Nach der Schule nimmt Karo ihren Freund Marco (Kai Collin Toth) mit zu sich nach Hause. Dort berichtet sie ihren Eltern, was sie heute in der Schule gemacht hätten. Ihre Eltern (Nathalie Köhler und Moritz Lohrberg) äußern sich besorgt und wenden ein, ihre Kinder offen erzogen zu haben. 

Gegenteilig arbeitet Herr Wenger motiviert sein Projekt aus. Das verwundert seine Frau Anke Wenger (Svea Kirchwehm), Lehrerin an derselben Schule, sehr, da er sonst nie seinen Unterricht vorbereitet.

Am nächsten Tag beginnt der Lehrer den Unterricht mit ein paar Lockerungsübungen, die in eine Tanzchoreographie münden, in der die Schülerinnen und Schüler bereits genormte, marionettenhafte Bewegungen vollführen. Dann setzt er die Schüler um, immer einen Schüler mit einer guten Leistung neben einen mit schlechteren Noten. Mona gefällt das nicht. Als er dann auch noch verkündet, dass sie morgen alle in weißen T-Shirts kommen sollen, geht es ihr zu weit. Sie verlässt den Unterricht.

Nachmittags probiert Karo vor dem Spiegel eine weiße Bluse an. Ihre Mutter ist jedoch der Meinung, so etwas passe nicht in die Schule. Als Karo am darauffolgenden Tag als Einzige ohne ein weißes Oberteil in den Unterricht kommt, wird sie von ihren Mitschülern ausgegrenzt. Während der Name für die Bewegung der Gruppe gewählt wird, wird ihr Vorschlag einfach übergangen. Es wird beinahe einstimmig für den Name „Die Welle“ gestimmt. Sie vereinbaren einen Gruß, bei dem die Arme mit geballten Händen vor der Brust überkreuzt werden. Herr Wenger erteilt Sinan (Cem Aktas) die Aufgabe, ein Logo für die Welle zu erstellen. Tina soll ein Layout für eine Homepage entwerfen. Als sie ihrer Mutter am Handy davon erzählen will, legt diese einfach auf. Tina überlegt, wie sie die Homepage entwerfen kann, damit ihre Eltern stolz auf sie sind. Von hinten kommt auf einmal die Clique an, der Tina das Handy gegeben hat. Sie wollen ein neues, da das alte bereits kaputt sei. Als sie beginnen, Tina herumzuschubsen, eilen ihr zwei Welle-Mitglieder zu Hilfe. Nachmittags fehlt Karo bei der vereinbarten Probe der Theater-AG. Stattdessen übernimmt Lisa ihre Rolle.

Als Lisa Karo von der Theaterprobe erzählt, wird Karo sauer. Normalerweise funktionieren die Proben nicht, da die Gruppe zu wenig Disziplin hat. In einem Streit wirft sie ihrer Freundin vor, sie hätten sich in ihren weißen Hemden gegen sie verschworen. Am selben Abend treffen sich die Mitglieder der Welle in der Stadt. Sie verteilen Flugblätter mit Werbung für die Welle. Schließlich steigt Tina auf den Kirchturm und befestigt dort ein Banner mit dem Welle-Zeichen.

Am Donnerstag gewinnt die Welle noch mehr Mitglieder. Eine Einlasssperre versperrt Karo und anderen Nicht-Welle-Mitgliedern den Eingang zur Schule. Als Karo schließlich doch hineinkommt, stellt sie Herrn Wenger zur Rede. Sie meint, er müsse der Welle ein Ende setzen. Er hört jedoch nicht auf sie. Auch Frau Dr. Kohlhage lobt Herrn Wengers Klasse. Nach der Schule kommt es zu einem Streit zwischen einigen Welle-Mitgliedern und der Clique. Im Verlauf dieses Streits zieht Tina plötzlich eine Pistole und richtet sie auf eines Cliquenmitglieder. Sofort bricht Panik aus. Die Mädchen versichern erschrocken, sie hätten das gar nicht so gemeint, und hauen ab. Tina sagt den Welle-Mitgliedern im Nachhinein, die Waffe sei nicht geladen gewesen.

Die Szene wechselt zum Büro der Schülerzeitung. Dort sitzen Karo und Mona und unterhalten sich darüber, was man gegen die Welle tun könne. Mitten in ihrem Gespräch kommt Marco herein und fragt Karo, ob sie mit zur Strandparty wolle. Sie lehnt ab, da dort ausschließlich Welle-Mitglieder wären.

Abends stehen auf einmal Tina und Sinan vor Herrn Wengers Haustür und wollen seine Leibwächter sein. Da er von den angespannten Familiensituationen weiß, erlaubt er es ihnen. 

Während der Strandparty unterhalten sich Lisa und Marco. Beinahe kommt es zu einem Kuss zwischen den beiden. Dann zieht Sinan Marco jedoch auf die Bühne und verkündet, dass er sich freuen würde, wenn sämtliche Welle-Mitglieder zum morgigen Spiel der Handballmannschaft kommen würden, deren Kapitän Marco ist. Spät in der Nacht verteilt Karo Anti-Welle-Flugblätter im Schulgebäude. Dabei fühlt sie sich beobachtet.

Am nächsten Morgen liest Herr Wenger in der Zeitung, dass am Kirchturm ein Welle-Banner hängt. Dann findet er Tina und Sinan, die anscheinend in seinem Garten übernachtet haben. Verärgert rauscht er ins Klassenzimmer und schreit seine Schüler an. Er befiehlt ihnen, alle Erfahrungen, die sie mit der Welle gemacht haben, aufzuschreiben und am Ende der Stunde bei ihm abzugeben. Nach der Stunde kommt Tina zu ihm und will ihm sagen, dass sie das Banner aufgehängt hat. Er lässt sie jedoch nicht zu Wort kommen.

Beim Handballspiel am Abend steht wieder eine Einlasskontrolle bereit, sodass Karo und Mona nicht hineinkommen. Die sonst so wenig besetzte Tribüne ist voller Leute in weißen T-Shirts. Karo und Mona schaffen es irgendwie doch, die Flugblätter, die sie entworfen haben, ins Publikum zu schmeißen. Die Stimmung schlägt um und das Spiel muss abgebrochen werden.

Marco fängt Karo ab, wütend über die verpasste Chance auf einen Sieg. Sie streiten sich, Marco schlägt Karo. Andere Welle-Mitglieder stoßen sie zu Boden. Marco erkennt, was er getan hat, doch Karo lässt ihn nicht mehr in ihre Nähe. Unterdessen streiten sich auch Anke und Rainer Wenger. Anke meint, seine Führerrolle würde Rainer blind machen, und lässt ihn alleine stehen. Marco kommt und erzählt seinem Lehrer, was er getan hat. Er drängt ihn, die Welle zu stoppen.

In einer Mail ruft Herr Wenger die Welle am Samstag zusammen. Er spricht von einer glorreichen Zukunft für die Welle. Mehrmals versucht Marco, ihn zu unterbrechen, wird jedoch immer wieder angewiesen, sich zu setzen. Die Rede endet mit den Worten: „Von hier aus wird die Welle ganz Deutschland überrollen. Wer sich uns in den Weg stellt, wird von der Welle plattgemacht. Bringt mir den Verräter!“ Unter Jubelgeschrei wird Marco auf die Bühne geschleift. Dann fragte Herr Wenger Dennis (Jarle Beitzel), der Marco heraufgeschleppt hat, warum er das getan habe. „Weil Sie es gesagt haben“, erwiderte dieser. „Und würdest du ihn auch umbringen, wenn ich es sage? So macht man das nämlich in einer Diktatur!“ ruft der Lehrer weiter. Entsetztes Aufschreien, als ein Bild von Hitler an der Wand hinter ihm erscheint. Vor allen Anwesenden verkündet er das Ende der Welle. Plötzlich zieht Tina wieder ihre Pistole. Da die Welle ihr Leben sei und ihr endlich einen Platz in der Gesellschaft verschafft hat, kommt sie nicht damit klar, dass jetzt Schluss sein soll. Aus Verzweiflung zielt sie auf die Welle-Mitglieder, wird jedoch von Bomber (Lennard Heetjans) überwältigt. Ein Bild von der Judenverfolgung wird eingeblendet. Es wird traurige Musik gespielt, dann kommen weitere Bilder, Bilder von Demonstrationen für Menschenrechte, Frauenrechte, Rechte für schwarze Menschen, Rechte für andere. Bilder, die zeigen, dass es Faschismus immer noch gibt und dass dagegen gekämpft wird und gekämpft werden muss. Es sind Bilder, die einem in Erinnerung bleiben.

 

Interviews

Interview mit Louisa Prondzinski, 11a

Louisa spielte die Rolle des unabhängigen, selbstbewussten Mädchen Karo. Sie entscheidet sich gegen die Welle, da sie von ihr ausgegrenzt wird, nur weil sie kein weißes T-Shirt trägt. Sie ist in der Schülerzeitungsredaktion und plant gemeinsam mit Mona einen Widerstand gegen die Welle.

Kanntest du das Stück vorher schon?

Ja, ich kannte das Stück vorher schon. Ich habe bereits den Film und andere Theaterstücke dazu gesehen.

Warum hast du dich für deine Rolle entschieden?

Ich fand die Rolle der „einzigen, die dagegen ist,“ super interessant. Sie ist die Einzige, die bemerkt, dass das ein riesengroßer Fehler ist und das war das Reizende daran für mich, dass ich nicht mit dem Strom schwimme, sondern eine Rolle habe, die in dem Stück einzigartig ist.

Wie hat es sich angefühlt, vor so vielen Leuten auf der Bühne zu stehen?

Ich spiele an der Freilichtbühne in Bad Bentheim mit und habe daher schon sehr oft auf einer Bühne gestanden. Dementsprechend ist es für mich immer wieder ein tolles Gefühl.

Wie hat dir die Aufführung gefallen?

Ich war sehr überrascht, dass es so gut funktioniert hat. Bei den Proben waren immer viele Leute unkonzentriert. Viele Leute konnten ihren Text nicht auswendig. Bis wenige Tage vor dem Auftritt hätte ich auch nicht gedacht, dass das vernünftig funktioniert.

Was hast du gedacht, als du erfahren hast, dass dieses Experiment tatsächlich durchgeführt und aufgrund seiner erschreckenden Ergebnisse abgebrochen wurde?

Ich fand das sehr erschreckend und mitreißend. Wäre ich in dieser Zeit ein Teil davon gewesen, hätte ich mich wahrscheinlich auch mitreißen lassen. Das Schlimmste war für mich, dass es so einfach und schnell zu gehen schien, sodass es sicherlich überall und immer wieder passieren könnte.

Was wäre deiner Meinung nach passiert, wäre das Experiment nicht abgebrochen worden?

Ich glaube, es wäre zu viel mehr Gewalt gekommen. Es hat ja in dem Stück auch schon angefangen mit Waffengewalt – und ich glaube, es wäre nicht dabei geblieben, dass Andersdenkende nur ausgeschlossen worden wären.

Was ist deine Lieblingsszene?

Ich glaube, meine Lieblingsszene ist die Endszene mit der Präsentation und mit den T-Shirts. Das war von Gefühl her einfach toll.

 
Interview mit Lara-Marie Rudnik, 11a

Lara spielte in dem Stück Tina, ein Mädchen, das nicht die besten Familienverhältnisse hat, in der Schule ein Außenseiter ist und der die Welle endlich einen lang ersehnten Platz in der Gesellschaft bietet.

Kanntest du das Stück vorher schon?

Nein, ich kannte es noch nicht.

Warum hast du dich für die Rolle entschieden?

Ursprünglich hatte ich eine andere Rolle, doch meine jetzige ist übrig geblieben, da diese niemand spielen wollte. Ich wurde dann gefragt, ob ich Tina  spielen möchte, woraufhin ich zunächst versucht habe, die Rolle zu spielen. Anschließend hat sie mir gefallen, weshalb ich mich dazu entschied, diese zu spielen.

Wie hat es sich angefühlt, vor so vielen Leuten auf der Bühne zu stehen?

Ich war sehr nervös, weil ich zum ersten Mal vor so vielen Leuten auf einer Bühne stand und eine der Hauptrollen hatte.

Wie hat dir die Aufführung gefallen?

Ich war positiv überrascht. Ich dachte, dass wir schlechter sein würden, weil wir nur wenig geprobt hatten, aber schlussendlich lief alles super gut.

Was hast du gedacht, als du erfahren hat, dass dieses Experiment tatsächlich durchgeführt und aufgrund seiner erschreckenden Ergebnisse nach kurzer Zeit abgebrochen wurde?

Ich habe das erst kurz vor der ersten Aufführung erfahren. Ich wusste zwar, dass darüber ein Film gedreht wurde, aber ich dachte, der sei frei erfunden. Als ich erfahren habe, dass das nach realer Begebenheit passiert ist, war ich total schockiert, weil  es unglaublich ist, wie schnell man in so etwas hineinrutschen kann.

Was wäre deiner Meinung nach passiert, wäre das Experiment nicht abgebrochen worden?

Ich denke, das wäre noch viel weiter gegangen und es wären noch mehr Leute ausgeschlossen worden und eventuell noch mehr gestorben.

Was ist deine Lieblingsszene?

Ich finde die Szene toll, bei der wir Flyer bekommen und die ins Publikum werfen und ich auf den „Kirchturm“ steige und das Banner aufhänge.

 

Interview mit Frau Sicking

Was hat Sie dazu veranlasst, gerade dieses Stück aufzuführen?

In unserer Gesellschaft wird immer häufiger rechts gewählt, viele Menschen werden ausgegrenzt und Hilfsbedürftigen werden Hilfeleistungen verweigert. Das war ein wichtiger Grund für mich, dieses Stück aufzuführen. Auch in Bezug auf den Krieg in der Ukraine ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass man helfen muss.

Was glauben Sie, hätten Sie in der im Stück beschriebenen Situation getan?

Natürlich wäre man am liebsten jemand gewesen, der sich widersetzt hätte. Es ist schwer zu sagen, wie man reagiert hätte.

Wie fanden Sie die Aufführung und Performance Ihrer Gruppe?

Super. Die Schüler/innen waren zum Teil noch Theateranfänger und wir hatten nur ganz wenig Zeit, das vorzubereiten. In dieser kurzen Zeit haben sie ganz viele Ideen selbst eingebracht und in Windeseile die Texte gelernt. Ich fand es großartig, auch angesichts der kurzen Vorbereitungszeit.

Was ist Ihre Lieblingsszene?

Das ist die Schlussszene nach der Präsentation, als alle die weißen T-Shirts ausziehen und darunter bunte Sachen tragen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, politische Zitate rechtsextremer Parteien einfließen zu lassen?

Das Stück handelt ja davon, wie eine rechte Bewegung entsteht, und weil es diese politischen Strömungen wieder vermehrt gibt, ganz Italien ist ja mittlerweile rechtsorientiert und sehr konservativ. Viele Länder um uns herum werden immer weniger liberal, das betrifft Frauenrechte, das betrifft Menschen anderer Identitäten, das betrifft Flüchtlinge. Gerade gegen diese Gruppen gehen die Parteien gehäuft vor und wir wollten zeigen, wie inhuman wir das finden. Deshalb haben wir diese Zitate verwendet, auch um an die aktuelle Situation anzuknüpfen. Das Buch „Die Welle“ von Morton Rhue ist ja schon älter und beruht auf einem wirklichen Experiment, das genau so stattgefunden hat. Aber das Gleiche ist ja nicht nur im Nationalsozialismus passiert, sondern passiert jetzt wieder. Einschließlich der wirtschaftlichen Stagnation. Deshalb gibt es in den Situationen einige Parallelen.

Sie haben vor allem mit ausdrucksstarken Bildern am Ende der Vorführung klar gemacht, dass Menschenrechtsverletzungen schrecklich und leider allgegenwärtig sind. Haben Sie selbst bereits erlebt, wie eine Person vielleicht auch nur verbal angegriffen wurde und wurde der Person in dieser Situation geholfen?

Ja, das kommt immer wieder vor. Als Beratungslehrerin erlebe ich viele Situationen, in denen es Schüler/innen schlecht geht und ihnen geholfen werden muss. Wir hatten auch schon einmal eine Situation auf einer Klassenfahrt, wo sich rechte Jungs vor einige aus unserer Klasse gestellt haben und die verbal angegangen sind und auch so aussahen, als ob sie jeden Moment losprügeln wollten. Da bin ich natürlich auch eingeschritten.

Sind Sie der Meinung, dass eine rechte Bewegung auch dann noch immer wieder entstehen kann, wenn man Geschichten wie die der „Third Wave“ kennt?

Leider ja, denn wie man ja auch in dieser Geschichte sieht, merkt man manchmal gar nicht, dass man ich solchen Situationen steckt. Auch der Lehrer, der ja super reflektiert ist, gerät in diesen Strudel, obwohl er ganz genau weiß, dass das nicht passieren sollte. Auch den Schülern passiert das aus der Gruppendynamik heraus. Deshalb fürchte ich, dass so etwas immer wieder passieren könnte. Ich glaube aber, dass je mehr man sich mit so etwas beschäftigt, desto eher man es selbst durchschauen kann, wenn man in eine falsche Richtung driftet.

Texte und Interviews: Melanie Mack (BGBlog, 8a)
Bilder der Generalprobe: HUM

Termine

Ort: Lingen - Jugendherberge

21.11.2026, 10:00 Uhr
Tag der offenen Tür

beginnt mit Kindern und Eltern gemeinsam im Forum.

Die Kinder können dann an unterschiedlichen Workshops teilnehmen. Weil die Workshops in gleichbleibenden Gruppen durchlaufen werden, ist es wichtig, dass alle gleich zu Beginn um 10 Uhr in der Schule sind.

Ab ca. 12.00 Uhr besteht für alle die Möglichkeit, das leckere Essen in der Mensa für 3€ pro Person zu probieren.

27.11.2026, 14:00 Uhr - 17:00 Uhr
Adventsmarkt
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