Am Abend des 3. Juli 2023 standen zwei Verabschiedungen am BGB im Mittelpunkt: Schulleiterin Johanna Schute würdigte zunächst ihre Religionskollegin Sabine Engelbertz, die zudem Politik und Darstellendes Spiel unterrichtete, für fast 34 Jahre Dienst an dieser Schule. Sie habe aufgrund ihrer tiefen Religiosität dem Burg-Gymnasium eine evangelisch-reformierte Prägung gegeben, obgleich immer weniger Schülerinnen und Schüler eine Religionszugehörigkeit aufwiesen.
Schute umriss zunächst Engelbertz’ Werdegang: Nach einem Studium der Fächer Evangelische Religionslehre und Pädagogik in Wuppertal und einem Referendariat in Remscheid habe sie – trotz katastrophaler Stellensituation – in die Grafschaft zurückkehren können. Im September 1989 habe sie den Dienst am BGB als Schulpastorin aufnehmen können mit einem Gestellungsvertrag der evangelisch-reformierten Kirche. Wegen des Politiklehrermangels habe Engelbertz eine Weiterbildung für Gemeinschaftskunde absolviert, so dass sie dann 1996 in den Landesdienst habe wechseln können, ab 1998 als Beamtin. Berufsbegleitend habe sie sich in Theaterpädagogik qualifiziert, sodass sie fortan ein drittes Fach am BGB habe unterrichten können: Darstellendes Spiel. 2012 sei sie zur Oberstudienrätin befördert worden, um die Fachgruppe Religion zu leiten und Schulseelsorge und Eine-Welt-Arbeit zu leisten; auch die Organisation des Adventsmarktes sei ihr zugefallen.
Protestantin pilgert gen Süden
Neben den üblichen Aufgaben einer Lehrerin, so die Direktorin, habe Sabine Engelbertz beispielsweise das Nepalprojekt des Vereins „Zukunft entwickeln“ befördert, sich für Amnesty International engagiert oder die Esterwegen-Fahrt organisiert, um nur eine kleine Auswahl der Aktivitäten einer „sehr geschätzten Kollegin“ zu nennen, die mit ihrer „freundlichen, zugewandten und unprätentiösen Art den Wohlfühlfaktor“ an der der Schule vergrößert habe. Mit der Pensionierung komme indes nicht der Urlaubsmodus, vielmehr stehe ein „Megaprojekt“ an: die Pilgerreise nach Israel zu Fuß. Dafür wünschte Schute ihrer Fachkollegin Engelbertz alles Gute, „aber passen Sie gut auf sich auf!“.
Die zweite große Verabschiedung betraf Johanna Schute selbst; sie, Katholikin, wechselt als Dezernentin zur Schulstiftung im Bistum Osnabrück. Daher oblag dem stellvertretenden Schulleiter Ingo van Verth die Aufgabe, die elf Dienstjahre der Direktorin am BGB zu honorieren. Schute hatte keine große Feier gewollt, sondern den kleinen Rahmen bevorzugt, so fasste sich van Verth – trotz des Einschnitts für die Schule – recht kurz, überging die respektable Karriere Schutes vor ihrer BGB-Zeit und konzentrierte sich auf Wegmarken ihres Bentheimer Schaffens. Zunächst betonte er, wie sehr die Leitung einer Schule Teamarbeit sei, bei der in den allermeisten Fragen Einmütigkeit bestanden habe; und selbst in intensiven Diskussionen sei der Humor nie zu kurz gekommen. Als Schulleiterin habe Schute ihre Fürsorgepflicht sehr ernst genommen – und van Verth fragte sich, ob dafür das Bild der Bärenmutter angemessen sei. Was man jedenfalls immer wieder hörte, ohne dass es ihr ständiger Vertreter hier ausgesprochen hätte, ist, dass das BGB für Schute eine Art Familie war. Insofern läge auch so die Mutter-Metapher nahe.
Van Verth stellte fest, dass Schute in den vergangenen elf Jahren „ganz entscheidend zu einer positiven Weiterentwicklung“ des BGB beigetragen habe. Nur zwei große „Brocken“ wollte er anführen: den Digitalisierungsprozess und das europäische Profil. Für Letzteres habe sie „außerordentlich viel Zeit und Kraft investiert“. Diese Europaorientierung werde auch künftig weiterverfolgt, versprach er, Schutes „Baby“ werde weiterhin gepflegt werden.
Zwei weitere große „Brocken“ nannte van Verth, als er von den Herausforderungen der vergangenen Jahre sprach: die Integration von Flüchtlingen und die Bewältigung der Coronazeit, die ihm im Rückblick „schon fast irreal“ vorkomme. In der Pandemie habe es „unendlich viele Neuerungen“ gegeben, stets habe man sich auf unsicherem Terrain bewegt. In dieser wohl anstrengendsten und forderndsten Zeit ihrer beruflichen Laufbahn habe Schute sich „als echte Krisenmanagerin vollauf bewährt“.
Katholikin geht gen Osten
Van Verth zollte Schutes Entscheidung Respekt, den staatlichen Dienst in Bad Bentheim zu beenden und den kirchlichen Dienst in Osnabrück zu beginnen. „Wir alle akzeptieren sie“, auch wenn keine Freude darüber aufkomme. Eine gewisse Traurigkeit ließ sich hinter der Fußballweisheit des Trainers Dragoslav Stepanović verstecken, der serbo-hessisch-lapidar formulierte: „Lebbe geht weider“. Van Verth stellte fest, dass Schute ein „wohlbestelltes Haus“ hinterlasse, und wünschte ihr und ihrem Mann „alles erdenklich Gute“ und für die neue Aufgabe in Osnabrück viel Erfolg und im richtigen Moment „die genau richtige Portion Glück“.
Schute bekannte später, es sei ein komisches Gefühl, schon offiziell auf Wiedersehen zu sagen. Einerseits freue sie sich auf die übergeordnete Aufgabe in der kirchlichen Schulaufsicht, andererseits wisse sie, was sie am BGB aufgebe. Sie lobte das „tolle Kollegium“, das konstruktive und unkomplizierte Miteinander, die vielen Projekte und kulturellen Veranstaltungen. Sie betonte, wie wichtig pädagogisches Handeln sei, welches oft nicht messbar sei und zu Schulterklopfen führe. Sie dankte den Lehrkräften für den persönlichen Austausch mit Schülerinnen und Schülern: „Unsere Schützlinge“ bräuchten diese Ansprache „immer mehr“, sie sollten Schule als wohltuenden Lebensraum erfahren. Schute, die in den letzten Wochen trotz hohen Arbeitspensums recht gelöst wirkte, wünschte ihrem Stellvertreter ein gutes Händchen und zeigte sich gewiss, dass van Verth das „Schiff Schule“ in die richtige Richtung steuere.
Auch die Fachgruppen und der Personalrat bedankten sich – in verschiedenster Form und zum Teil sehr kreativ – bei Johanna Schute und Sabine Engelbertz für deren Wirken am BGB. Weitere Personen, die die Schule verlassen, wurden – teils in Abwesenheit – verabschiedet: die Bundesfreiwilligendienstleistende Mirya Ufer, die Referendarin Evelyn Spaude sowie die Vertretungskräfte Jan-Niklas Kämmerling und Helke Lachmann. Außerdem zu nennen sind Irmgard Kirsch-Kortmann, Karin Ricklefs und Hartmut Meyer, die jahrelang an der Schule gewirkt hatten und trotz Ruhestands noch einmal für einige Stunden die Personallücken ausfüllten. Allen galt der Dank von Schulleitung und Kollegium.
Text und Bilder: HUM