Zur Mittagsstunde des 22. Oktober 2024, einem Dienstag, fand die Feier zur Einführung des neuen Schulleiters statt, der ein ehemaliger Schüler, ein bewährter Kollege und ein erfahrenes Schulleitungsmitglied am Burg-Gymnasium war beziehungsweise ist: Zahlreiche Gäste begrüßten Ingo van Verth im Forum und hießen ihn ein weiteres Mal „an seiner Schule“ willkommen.
Den Auftakt des Begrüßungsreigens machte die Lehrerband mit Don Henleys „The Boys of Summer“ bei wärmender Herbstsonne. Die erste Rede hielt Schulleitungsmitglied Noel Hüwe. Der BGB-Stundenplaner betonte, dass van Verth erst der sechste Schulleiter in der 62-jährigen Historie des Gymnasiums sei, was den Tag zu einem besonderen mache, so Hüwe, der wie van Verth Geschichte unterrichtet. Zur Biographie des Schulleiters war zu erfahren: in Schüttorf geboren, selbst BGB-Schüler, Abiturjahrgang 1988, seit 24 Jahren Lehrer ebenda und über ein Jahr kommissarischer BGB-„Chef“. Hüwe unterstrich die Identifikation van Verths mit der Schule, die schon immer Engagement für die Schule bedeutet habe: „Du lebst das BGB!“
Außerdem erwähnte Hüwe, dass van Verth seit langen Jahren Handballschiedsrichter sei und dabei sogar einige Jahre in der 2. Bundesliga bzw. in der Damen-Bundesliga gepfiffen habe. Die Kompetenzen eines guten Schiedsrichters seien in etwas abgewandelter Form auch für einen guten Schulleiter vonnöten. Daher schloss Hüwe: „Wir wünschen dir alles Gute und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit dir – mit deinen Regelkenntnissen, deiner klaren Linie, deiner Souveränität, deiner Kommunikationsfähigkeit, deiner Teamfähigkeit und deinem Fingerspitzengefühl und natürlich auch deiner Offenheit für neue Ideen, die uns als Schule nach vorne bringen!“
Manager und Umbau
Für den Schulträger sprach Landrat Uwe Fietzek (CDU). Er begann mit der launigen Bemerkung, dass die Dienstage derzeit besondere Ereignisse für die Grafschaft bereithielten: Letzte Woche sei Bundespräsident Steinmeier im Kreis begrüßt worden, diese Woche werde van Verth als neuer Schulleiter willkommen geheißen. Fietzek fixierte van Verths Karriere mit der Formulierung „vom Schülersprecher zum Rektor“ und zeigte sich erfreut über den ersten „echten Grafschafter“ als Leiter des Burg-Gymnasiums. Der Landrat gestand, dass sich die beiden schon lange kennten – zunächst über die gemeinsame Arbeit im Heimatverein, dann über die Schulverwaltung. Nun sei van Verth, so die Metapher für die Leitungsaufgabe, der „Manager eines mittelständischen Unternehmens“, der sich schon vorher durch Überzeugungskraft und Durchsetzungsvermögen, durch Gelassenheit und Humor, durch Präsenz und Zielstrebigkeit ausgezeichnet habe. Die Grafschafter Kreisverwaltung habe ihn als verlässlichen und kompetenten Ansprechpartner kennengelernt, beispielsweise bei der Umsetzung des „Digitalpakts Schule“.
Eine Aufgabe und Herausforderung des Kreises für das nächste Jahr sei der Umbau des Ganztagsbereichs bzw. der Pausenhalle am BGB. Die Arbeiten sollten bis Mitte 2026 abgeschlossen sein bei Gesamtkosten in Höhe von 1,5 Millionen Euro. „Wir schaffen dadurch neue Flächen für Unterrichtszwecke, zur Differenzierung und für die Ganztagsbetreuung. Die Überdachung des Innenhofes bietet zudem zusätzliche Rückzugs- und Pausenflächen. Ein ambitioniertes Bauprojekt, das das Burg-Gymnasium weiter stärken wird“, so Fietzek.
Kassettenrekorder auf Klassenfahrt
Auf den Landrat folgte Bad Bentheims Bürgermeister Dr. Volker Pannen (SPD). Er hatte im Fotoalbum seiner Jugend geblättert und ein Bild aus dem Herbst 1982 mitgebracht. Es zeigte ein paar Jungs der achten Jahrgangsstufe auf der Klassenfahrt nach Bodenwerder; unter ihnen waren Ingo und Volker. Das heutige Stadtoberhaupt berichtete davon, dass die Schüler damals im Überschwang den Kassettenrekorder so laut aufgedreht hätten, dass ihn der Herbergsvater konfisziert habe. Das sollte wohl heißen: Aus Schülern können Schulleiter werden, die aus eigener Erfahrung wissen, dass Kinder und Jugendliche manchmal über die Stränge schlagen. Pannen nannte weitere Punkte aus van Verths Vergangenheit, die er als Freund kennt: Er attestierte dem Elternhaus Fröhlichkeit, Humor und Bodenständigkeit, verknüpfte Letzteres mit dem Schüttorfer Fanfarenzug, nannte den Handballsport und das Kita-Praktikum als Jugendlicher und erwähnte zwei Jura-Vorlesungen zur Studienzeit, die ihn zum Lehramt bewogen hätten. Auch van Verths Engagement für Schulpolitik kam zur Sprache sowie die Verbindung von Schule und Politik, etwa bei der Demonstration für Toleranz und Demokratie, die van Verth genauso wie der Bentheimer und der Schüttorfer Bürgermeister unterstützt hätten.
Pannen lobte zudem die vorige Schulleitungsrunde, in der van Verth und Johanna Schute ein erfolgreiches Team gebildet hätten; Schute war bei der Feierstunde zugegen. Zum Schluss übergab Pannen das Bild der Klassenfahrt von 1982 und einen „Herrgott von Bentheim“ im Kleinformat – gewissermaßen als Glücksbringer, den auch der Bundespräsident schon letzte Woche erhalten hätte.
General und Vorsitzender
Auf das Intermezzo der Lehrerband mit Rio Reisers „Wann?“ folgten die Grußworte der Schulbeteiligten. Für das Kollegium sprach Anne Hensen. Sie charakterisierte van Verth als jemanden, der die Dinge hinterfrage. Er sei keiner, der nur „herummöppelt“, sondern sich für konstruktive Lösungen einsetze; als Bezirksvorsitzender des Philologenverbandes habe er sich lange engagiert. Hensen hatte ihr Ohr bei ehemaligen BGB-Schülern, die ihr berichtet hätten, van Verth habe sich schon einmal den Titel „der General“ eingehandelt, ein Titel, der ihm vielleicht aufgrund seines Wehrdienstes in der Bundeswehr verliehen worden sei. „Aber als strenger Feldherr agiert Ingo van Verth sicherlich nicht!“, relativierte sie.
Für die Schülervertretung trat Divine Kuijsten auf die Bühne. Sie stellte fest, dass der Direktor in der Vergangenheit immer wieder gezeigt habe, dass ihm „die Meinung und die Anliegen der Schüler wichtig“ seien. „Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit Ihnen an Projekten zu arbeiten, die unsere Schule noch besser machen, an einer Atmosphäre, in der sich alle wohlfühlen und erfolgreich lernen können“, so die Oberstufenschülerin.
Pfadfinder
Die Grußbotschaft des Schulelternrats überbrachte Stephan Wohlers. Er stellte fest, dass van Verth sich als kommissarischer Schulleiter „echt gut geschlagen“ habe. Er freue sich „auf die Fortsetzung der guten Zusammenarbeit“ mit der Elternschaft und er schloss mit Blick auf van Verths kommende Karriere, indem er sich auf ein Bonmot des Dichters Jean Paul bezog: „Lieber Ingo, finden deinen Weg, wo keiner ist, und hinterlasse eine Spur!“
Nach dem BGB-Schulsong antwortete der Geehrte auf die Vorreden mit einer eigenen Ansprache. Van Verth dankte den Gästen für ihr Kommen und für ihr Engagement. Sein Dank ging an seine Familie, an den Schulträger, an die Kommunen, an das Regionale Landesamt für Schule und Bildung, an Kooperationspartner und Schulleitungen vor Ort sowie an die BGB-Schulgemeinschaft.
Der Direktor bezog sich auf das Leitbild der Schule, das vom gemeinsamen Lernen, Lehren und Leben spreche, und fragte, was das aktuell bedeute. Am Beispiel der Digitalisierung erläuterte er, dass es heute einfach sei, Schülerlösungen an der digitalen Tafel zu spiegeln und für alle verfügbar zu machen. Die künstliche Intelligenz veranlasse dazu, darüber nachzudenken, welche Vorzüge und Gefahren mit ihr einhergingen.
Dann erwähnte van Verth globale bzw. gesellschaftliche Polarisierungen und fragte, wie Schule damit umzugehen habe. Er meinte, die Schule müsse darauf abzielen, Schülerinnen und Schüler zu Mitgliedern der Gesellschaft zu machen, „die nicht auf das Laute und das viel zu Einfache hereinfallen“. Zudem müssten fachliche Kenntnisse in vielen Bereichen vermittelt werden. Denn: „Wer nichts weiß, der kann nichts googeln. Und wer nichts weiß, der fällt auf das Laute und das Einfache viel zu schnell herein“. Mit nochmaligem Dank und guten Wünschen für die kommende Zusammenarbeit endete van Verths Rede. Zum anschließenden Empfang in der Mensa leitete die Lehrerband über – mit einem Song von Bon Jovi: „Have a Nice Day“.
Text und Bilder: HUM