Das Seminarfach „Erforschung der Atmosphäre“ des Burg-Gymnasiums hat eine selbst gebaute Messsonde fast bis an den Rand des Weltraums geschickt.
Am 28. Oktober 2026 um 09:48 Uhr war es so weit: Auf dem Sportplatz unserer Schule ließen die Schülerinnen und Schüler des Seminarfachs ihren Wetterballon los. Darunter hing eine Sonde voller Technik, die sie über ein Jahr lang selbst entwickelt hatten. Knapp drei Stunden später landete sie rund 100 Kilometer weiter östlich, mit einem echten Datenschatz an Bord.
Seit August 2025 haben die Schülerinnen und Schüler selbstständig in Projektgruppen an dem Flug gearbeitet. Jede Gruppe hat ein eigenes Experiment entworfen:
Herzstück der Sonde war ein Raspberry Pi, der alle zehn Sekunden sämtliche Messwerte speicherte. Programme und Schaltungen haben die Schülerinnen und Schüler weitgehend selbst entwickelt. Die größte Herausforderung war die Energieversorgung: Die Akkus mussten stundenlang durchhalten, und das bei Temperaturen bis weit unter −40 °C.
Nach gut zwei Stunden Aufstieg platzte der Ballon um 11:56 Uhr in 33.907 Metern Höhe, fast viermal so hoch wie der Mount Everest. Danach fiel die Sonde in nur rund 40 Minuten an einem Fallschirm zurück zur Erde.
| Messgröße | Wert |
| Größte Höhe | 33.907 m |
| Tiefste Außentemperatur | −48,6 °C |
| Niedrigster Luftdruck | 8,2 hPa, weniger als 1 % des Drucks am Boden |
| Stärkste Strahlung | 29-mal so hoch wie am Boden, in etwa 19 km Höhe |
| Flugstrecke | 102 km Luftlinie |
| Flugdauer | 2 Stunden 48 Minuten |
Das Strahlungsmaximum in rund 19 Kilometern Höhe liegt genau dort, wo die Physik das Pfotzer-Regener-Maximum erwarten lässt. Die Sonde hat es also tatsächlich gefunden.
Der gesamte Kurs fuhr anschließend zur Landestelle östlich von Bünde und half bei der Suche und Bergung. Dabei zeigte sich, wie wichtig ein Plan B ist: Der eigens gekaufte GPS-Tracker war vor dem Start versehentlich nicht eingeschaltet worden.
Zum Glück hatte die Sonde einen zweiten, selbst gebauten APRS-Tracker an Bord. Er funkte während des ganzen Flugs zuverlässig seine Position und führte das Team zur Sonde. Was Ingenieure „Redundanz“ nennen, haben die Schülerinnen und Schüler so ganz praktisch erfahren.
Jetzt beginnt im Seminarfach die Auswertung: Die Messdaten werden analysiert, die Hefekulturen angesetzt und die Kressesamen ausgesät. Ob die Strahlung in der Stratosphäre Spuren hinterlassen hat, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Es bleibt also spannend!
Unser herzlicher Dank gilt der Grafschafter Volksbank und der Fachhochschule Münster für ihre Unterstützung. Besonders danken wir Prof. Tilman Sanders von der FH Münster für seine umfangreiche technische Beratung und die Unterstützung beim Start und bei der Suche der Sonde. Die Aufstiegsgenehmigung der Flugsicherung lag für den Flug vor.
Video: Start des Wetterballons
Betreut wurde das Projekt von Seminarfachlehrer Jochen Temmen.
Text: TMJ